Entstehung des Ortes

Die
Stadt Sassnitz ist aus den benachbarten Orten Sassnitz (Fischerdorf im Osten) und Crampas

(Bauerndorf im Westen) hervorgegangen.

Im Jahre 1767 wurden in Crampas 41 und in Sassnitz 77 Einwohner gezählt.
Sassnitz der Ferienort

Das Jahr 1824 gilt als das "Geburtsjahr" von Sassnitz als Badeort. In diesem Jahr verbrachten Frau und

Kinder des Berliner Theologen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher ihre Ferien für längere Zeit in

Sassnitz. Es folgten die ersten Badegäste.

Nur sehr langsam entwickelte sich dieser neue Erwerbszweig. Im Jahr 1857 wählten rd. 200

Gäste Sassnitz als Sommeraufenthalt.

Ab 1860 begann die eigentliche Umwandelung der beiden Dörfer zu Badeorten. Erste Hotels,

Fremdenheime, Pensionen, das Damenbad am "Schwanenstein" (heutiger Molenfuß) und ein Herrenbad

bei "Klein-Helgoland" (beide wurden 1912 abgebrochen) entstanden sowie 1874 auch die "Waldhalle"

zwischen
Sassnitz und dem
Königsstuhl .

Johannes Brahms verweilt 1876 für längere Zeit in Sassnitz. Er komponiert hier den letzten Satz seiner

1. Sinfonie c Moll.

Im Jahr 1883 wurde nach dreijähriger Bauzeit die Johanniskirche geweiht. Die Attraktivität der

Badeorte nahm weiter zu. So konnten 1890 in Crampas 2.680 und in Sassnitz 5.522 Kurgäste gezählt

werden. Diese Zahl verdreifachte sich bis zum Jahre 1913 auf insgesamt 26.585.

Die deutsche Kaiserin Auguste Victoria verbringt 1890 gemeinsam mit den Prinzen einen längeren

Sommerurlaub in der Villa "Martha". Das Gebäude befindet sich in der Rosa-Luxemburgstraße 4.
Bedeutende wirtschaftliche Ereignisse und ökonomische Entwicklung

Sassnitz begann 1889 mit dem Bau eines
Hafens. Dieser war für die Fischerei, den Kreidetransport

und für den Personenverkehr unabdingbar geworden.

Dem Hafen gab die längste Außenmole Europas mit einer Länge von 1.450 m Schutz und Gepräge. Der

Beginn des Bauwerks ist auf das Jahr 1889 datiert. Die endgültige Fertigstellung des Molenbaues

erfolgte im Jahre 1912.

So fügte sich auch die 1891 fertig gestellte Eisenbahnstrecke Bergen - Sassnitz nahtlos in diese

positive Entwicklung ein.

Bereits 1861 liefen erste Ausflugsschiffe der Stettiner Reederei "Braeunlich" Sassnitz an, jedoch erst

nach der Fertigstellung des Sassnitzer Hafens konnte man die Vorteile eines regen Schiffsverkehrs

entlang der Rügenschen Küste, zur Insel Usedom und nach Stettin richtig nutzen und weiter ausbauen.

Am 11. Juli 1897 löste folgerichtig eine neue Postdampferlinie Sassnitz- Trelleborg (
Königslinie) die Linie

Stralsund - Malmö ab. Sie war ökonomischer zu betreiben.

Mit der internationalen Eisenbahnfährverbindung Sassnitz- Trelleborg, im Jahre 1909 mit großem Pomp

eingeweiht, stieg dann der Rügener Küstenort zum "Tor nach Skandinavien" auf.

Wladimir Iljitsch Lenin reist 1917 aus der Schweiz kommend über die Fährlinie Sassnitz-Trelleborg nach

Petersburg.

Zuvor hatte es 1906 eine zwar einleuchtende, jedoch nicht von allen Betroffenen begrüßte, Neuerung

gegeben. Crampas und Sassnitz wurden zu einer Gemeinde unter dem Namen Sassnitz vereinigt. Den

Ort Crampas sucht man daher auf heutigen Landkarten vergeblich.

Das heutige
Rathaus wurde vom Berliner Architekten Gustav Bähr entworfen und 1910 als Warmbad

und Gemeindehaus für die Bürger der vereinten Gemeinde Sassnitz eröffnet. Am Hauptportal erinnert

noch eine pittoreske Glasbemalung an die frühere Funktion eines Badehauses.

Untrennbar ist Sassnitz auch mit der
Kreideindustrie Rügens verbunden. 1928 wurden aus den

Jasmunder Kreidebrüchen etwa 500.000 t Kreide in Martinshafen (am großen Jasmunder Bodden) und

in Sassnitz verladen und verschifft.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand das Fischkombinat mit einer großen und leistungsfähigen

Fischfangflotte und einem ab 1957 eigenständigen Fischverarbeitungswerk. 1963 ging außerdem in

Klementelvitz bei Sassnitz ein neues Kreidewerk in Betrieb. Es produziert auch gegenwärtig diesen

für die Industrie wichtigen Rohstoff.

Politische und wirtschaftliche Gründe führten 1982 zum Bau eines völlig neuen Fährhafens bei

Neumukran (jetzt
Fährhafen Sassnitz). Vier Jahre danach legte hier die erste Fähre

Sassnitz/Mukran - Klaipeda (Memel) ab.
Dwasieden

Das Schloss Dwasieden liegt inmitten eines Parks im Dwasiedener Wald. Die Ruinen lassen die

wechselvolle Geschichte dieses einstmals imposanten Gebäudes erahnen.

Der Aachener Großbankier Adolph von Hansemann erwarb den Besitz mitte des 19. Jahrhunderts von

Baron Eduard von Barnekow. Das Herrenhaus wurde zwischen 1873 und 1876 nach einem Entwurf von

Friedrich Hitzig im italienischen Renaissance-Stil erbaut.

Als Adolph von Hansemann 1903 verstarb, gingen die Besitzungen zunächst an die Witwe, später an

seine Enkelin, die mit einem Hauptmann von Oertzen verheiratet war. 1935 verkauften die von

Oertzens den Besitz an die Reichsmarine-Verwaltung.

Nach dem Krieg diente das Herrenhaus als Flüchtlings- und Quarantänelager. 1947 wurde das

Gebäude gesprengt, die eingeschossigen Teile der Seitenflügel blieben erhalten.

Im Dwasiedener Wald befindet sich ein Hügelgrab. Es ist ca. 50 Schritt lang.
Sassnitz heute

Die Zahl der Einwohner stieg von etwa 5.000 im Jahre 1931 auf 14.374 im Jahre 1985.

Nach letzten Zählungen betrug die Einwohnerzahl per Ende 2003 betrug 11.002. Seit 1957 besitzt

Sassnitz das Stadtrecht.

Wenn auch das Badeleben für Sassnitz keine Rolle mehr spielt, der
Hafen der Stadt und der nahe
Nationalpark Jasmund, mit seinem herrlichen Buchenwald, der imposanten Kreideküste, dem Herthasee

und dem
Königstuhl haben ihre Anziehungskraft auf Besucher aus Nah und Fern nicht eingebüßt.

Die Altstadt von Sassnitz unweit des Rathauses bietet dem Besucher ein malerisches, fast

mediterranes Flair.

Am 10. September 1998 wurde der
Stadt Sassnitz der Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort"

verliehen.

So lässt bereits 1895 Theodor Fontane, Berliner Schriftsteller und Sassnitzer Badegast in seinem

gleichnamigen Roman Effi Briest sagen:
"Und dann von Stralsund nach Rügen ... und weiter zwischen dem Großen und Kleinen
Jasmunder Bodden hin bis nach Sassnitz. Denn nach Rügen reisen,
heißt nach Sassnitz reisen."
Quellen:

Wikipedia

Erwin Rosenthal

Sassnitz.de

Frank Biederstaedt
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